Form, Erfahrung, Taktik: Große Vorschau auf das Champions-League-Achtelfinale
Manchester City
FORM: Wenngleich die Skyblues nicht dieselbe Dominanz wie in der Vorsaison ausstrahlen, blickt man auf eine überragende Erfolgsbilanz zurück. Die letzten zehn Pflichtspiele wurden allesamt gewonnen, die letzte Niederlage kassiert man Anfang Dezember bei Aston Villa (0:1). Auch die Generalprobe glückte. Erling Haaland erzielte beim 2:0-Sieg gegen den FC Everton einen Doppelpack. Trainer Pep Guardiola war mit der gezeigten Leistung aber nicht einverstanden. In der ersten Halbzeit hatte der englische Meister große Probleme, Pep monierte eine zu lasche Körpersprache.
ERFAHRUNG: Im Vorjahr haben die Citizens bewiesen, in den entscheidenden Momenten nicht das Nervenflattern zu bekommen. Das Finale der UEFA Champions League gegen Inter Mailand gewann die Truppe von Pep Guardiola auf unspektakuläre, aber souveräne Weise mit 1:0. Eben wie ein Spitzenteam. Seit 2011/12 nahm man jedes Jahr an der UEFA Champions League teil.
TAKTIK: In der laufenden Spielzeit kehrte Guardiola zurück zu einer nominellen Viererkette. Gerne setzt der Katalane dabei auf vier gelernte Innenverteidiger. In der Offensive folgen die City-Spieler dem in den vergangenen Jahren perfektionierten Positionsspiel. Im Vergleich zu früheren Pep-Mannschaften nimmt das schnelle, direkte Passspiel eine eher untergeordnete Rolle ein. Stattdessen dürfen die Spieler öfter dribbeln und durch Einzelaktionen Räume schaffen. Auch interessant ist die Rolle des argentinischen Weltmeisters Julian Alvarez. Häufig agiert der 24-Jährige als hängende Spitze hinter Stoßstürmer Erling Haaland.
FC Kopenhagen
FORM: Die dänische Liga beginnt erst wieder am 18. Februar. Dann ist der Tabellendritte Kopenhagen bei Silkeborg IF gefordert. Um sich vor den wichtigen Spielen gegen Manchester City warmzuhalten, absolvierte man zahlreiche Testspiele. Diese verliefen eher durchwachsen. Von sechs Partien konnte man nur drei gewinnen. Am Donnerstag besiegte man immerhin den norwegischen Traditionsverein Molde mit 3:1.
ERFAHRUNG: Für den FC Kopenhagen ist das Überwintern im europäischen Geschäft keine Selbstverständlichkeit. Das Achtelfinale der UEFA Champions League erreichte man zuletzt vor 13 Jahren, 2019/20 schaffte man es immerhin bis ins Viertelfinale der Europa League. Die meiste Königsklassen-Erfahrung im Kader hat der portugiesische Mittelfeldspieler Diogo Goncalves mit 19 Einsätzen.
TAKTIK: Coach Jacob Neestrup ist dem Verein eng verbunden. Der 35-Jährige durchlief die hauseigene Akademie, musste aber seine Spielerkarriere frühzeitig beenden. Heute gilt er als einer der größten Trainertalente Dänemarks. Wahlweise positioniert sich seine Mannschaft in einem 4-4-2, 4-2-3-1 oder 4-3-3. Eine interessante Rolle kam in der jüngeren Vergangenheit Kapitän Viktor Claesson zu.
Der 32-jährige Schwede agierte häufig als Schattenstürmer - obwohl er eigentlich im zentralen Mittelfeld beheimatet ist. Grundsätzlich legt Neestrup auf ein gepflegtes Mittelfeldpressing. Zudem strahlt man dank einer intelligenten Strafraumbesetzung nach Standardsituationen viel Torgefahr aus.
Zum Match-Center: FC Kopenhagen vs. Manchester City (Dienstag, 21 Uhr)
RB Leipzig
FORM: Bei RB Leipzig ist Feuer am Dach. In den letzten sechs Bundesliga-Spielen feierte man nur einen Sieg, die ersten drei Pflichtspiele im neuen Kalenderjahr wurden allesamt verloren. Besonders die 5:2-Niederlage Ende Januar gegen den VfB Stuttgart schmerzte die Roten Bullen. Am Samstag holte man gegen den FC Augsburg nur ein Unentschieden. Trainer Marco Rose ist angezählt.
ERFAHRUNG: Die DNA von RB Leipzig lautet, fortlaufend junge Spieler aufs nächste Level zu heben und im Anschluss mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dementsprechend ist der Kader verhältnismäßig jung. Stammspieler wie Xavi Simons (20 Jahre), Benjamin Sesko (20) und Castello Lukeba (21) sind extrem talentiert, machen aber zurzeit ihre ersten Schritte auf der großen Bühne. Allerdings ist der Verein mittlerweile fixer Bestandteil der Champions League. 2023/24 steht man bereits zum vierten Mal in der K.o.-Phase des Wettbewerbs.
TAKTIK: Üblicherweise agieren die Roten Bullen in einem 4-2-2-2. Die Doppelsechs um Xaver Schlager soll dabei das aggressive Forechecking initiieren und koordinieren. Kreativspieler wie Xavi Simons, Dani Olmo und Christoph Baumgartner besetzen die offensiven Halbräume. Die Doppelspitze besteht üblicherweise aus einem dynamischen Tempo-Stürmer und einem Zielspieler - in diesem Fall sind das Lois Openda und Benjamin Sesko. Gerade in der UEFA Champions League setzte Marco Rose aber auch fallweise auf eine Fünferkette.
Real Madrid
FORM: Real befindet sich im Flow und gewann vier der letzten fünf LaLiga-Spiele. Am Samstag feierte man gegen Verfolger Girona einen überragenden 4:0-Heimsieg und vergrößerte somit den Vorsprung auf den Tabellenzweiten.
ERFAHRUNG: Mit insgesamt 14 Titeln ist Real Madrid Rekordsieger der UEFA Champions League. Allein in den vergangenen zehn Jahren stemmten die Madrilenen fünfmal den Henkelpott in den europäischen Nachthimmel. Für Spieler wie Toni Kroos (144 Einsätze in der CL), Luka Modric (122) und David Alaba (117) ist die Königsklasse gewohntes Terrain. Auch Trainer Carlo Ancelotti kennt die weltberühmte Hymne in- und auswendig.
TAKTIK: Ancelotti ist nicht dafür bekannt, taktische Ideen zu revolutionieren. Dennoch schafft es der Italiener wie kein anderer, seinen Spielern die richtigen Ratschläge an die Hand zu geben und seinen Spielern die perfekte taktische Rolle zuzuweisen. Sein Sohn Davide ist als Assistenztrainer dafür verantwortlich, diesen Minimalismus in einen passenden Matchplan zu übersetzen.
Traditionellerweise agiert Real in einem 4-3-3. Mit Jude Bellingham auf dem Platz wandelte diese Formation aber häufig eine 4-4-2-Raute. Zumindest im Hinspiel fällt der Engländer aus. Voraussichtlich wird er von Joselu ersetzt, also einem klassischen Stoßstürmer.
Zum Match-Center: RB Leipzig vs. Real Madrid (Dienstag, 21 Uhr/LIVE in der Flashscore Audioreportage)
Bayern München
FORM: Der FC Bayern München hat einige schwierige Wochen hinter sich. Nach einer peinlichen 1:0-Niederlage gegen Werder Bremen Mitte Januar wurde Trainer Thomas Tuchel bereits kritisch beäugt. Am Samstagabend wurde es noch schlimmer. Im Spitzenspiel gegen Leverkusen kassierte man eine 3:0-Niederlage. Somit ist die deutsche Meisterschaft in weite Ferne gerückt, die Champions League ist die einzig verbliebene Chance auf einen Titel in der laufenden Saison.
ERFAHRUNG: Seit 2008/09 hat der FC Bayern München nur zweimal nicht das Viertelfinale der UEFA Champions League erreicht. Zuletzt gewann der deutsche Rekordmeister den europäischen Henkelpott in der von COVID-19 geplagten Saison 2019/20. Thomas Müller (147) und Manuel Neuer (134) blicken auf jeweils über 100 Einsätze in der Königsklasse zurück. Trainer Thomas Tuchel gewann 38 seiner bislang 61 CL-Spiele, das entspricht einer Siegesquote von über 62 Prozent.
TAKTIK: Am Wochenende wollte Thomas Tuchel über seinen Schatten springen. Also verzichtete der Bayern-Coach auf das traditionelle 4-2-3-1, welches viel Stabilität und Überzahl im Mittelfeld verspricht. Stattdessen versuchte er Alonsos Bayer 04 zu spiegeln - ohne Erfolg. Gegen Lazio wird der deutsche Rekordmeister wohl wieder auf Altbewährtes setzen. Problematisch ist, dass die Doppelsechs seit Saisonbeginn keine echte Ausgewogenheit verspricht. Noch wurde der passende Partner für Joshua Kimmich nicht gefunden. Sowohl Leon Goretzka als auch Raphael Guerreiro tragen viel Offensivgeist in sich und sind nicht dafür geschaffen, dem zurückgezogenen Spielmacher Kimmich in der Defensive den Rücken freizuhalten.
Lazio Rom
FORM: In der italienischen Serie A kämpfen die Hauptstädter um den Anschluss an die europäischen Plätze. Nach einem 3:1-Sieg am Samstag bei Cagliari Calcio hat Lazio weiterhin fünf Punkte Rückstand auf das viertplatzierte Atalanta Bergamo. Die gesamte Saison über litten die Italiener immer wieder an kleinen Schwächephasen, Konstanz wird hingegen schmerzlich vermisst.
ERFAHRUNG: Für Lazio ist die Teilnahme am Achtelfinale der UEFA Champions League keine Selbstverständlichkeit. Zuletzt gelang den Römern dieses Kunststück in der Saison 2020/21 - schon damals traf man auf den FC Bayern, verlor aber sowohl das Hin- als auch das Rückspiel. In den vergangenen Jahren frequentierte man lieber die Europa League, scheiterte dabei aber stets noch vor dem Halbfinale. Erfahrenster CL-Profi im Kader ist der Spanier Pedro mit 82 Einsätzen. Dreimal gewann der 36-Jährige zusammen mit seinem Ex-Verein Barca den Titel in der Königsklasse.
TAKTIK: Grundsätzlich setzt Maurizio Sarri auf ein 4-3-3. Dieses zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Eine interessante Rolle kommt etwa dem Ex-Frankfurter Daichi Kamada zu. Auf dem Papier ist der Japaner ein zentraler Mittelfeldspieler, faktisch orientiert sich Kamada aber fast immer auf den offensiven Flügel.
In eigenem Ballbesitz steht Sarri für ein direktes Passspiel, bei dem immer wider Dreiecke gebildet werden. Durch Steil-Klatsch-Kombinationen soll der Gegner aus seiner Defensivformation gelockt und anschließend schnell überspielt werden. In der Defensive verdichtet man gerne das Zentrum, was für die Flügelstürmer im Umkehrschluss bedeutet, dass sie fortlaufend an der Defensivarbeit teilnehmen müssen. Fixpunkt im Sturmzentrum ist Ciro Immobile. Der 33-Jährige genießt bei Sarri ein hohes Standing und hat dementsprechend viele taktische Freiheiten.
Zum Match-Center: Lazio Rom vs. Bayern München (Mittwoch, 21 Uhr/LIVE in der Flashscore Audioreportage)
Paris SG
FORM: Zu Beginn der Saison hatten die Pariser noch große Schwierigkeiten, sich an den Fußball unter Luis Enrique zu gewöhnen. Nach enttäuschenden Auftritten in der Ligue 1 schien Nizza dem Scheichverein überraschenderweise den Meistertitel wegzuschnappen. Mittlerweile ist PSG aber seit 16 Ligaspielen ungeschlagen. Im neuen Kalenderjahr feierte man sieben Siege in acht Pflichtspielen. Am Samstag hatte man im Heimspiel gegen Lille keine Probleme und gewann mit 3:1.
ERFAHRUNG: PSG und die UEFA Champions League stehen auf Kriegsfuß. Trotz massiver Investitionen konnte der französische Serienmeister noch nie den Henkelpott gewinnen. Dennoch hat man mit Trainer Luis Enrique, sowie den Spielern Keylor Navas, Achraf Hakimi, Lucas Hernandez und Marco Asensio ein paar ehemalige CL-Sieger im Kader. Immerhin!
TAKTIK: Luis Enrique ist als Verfechter eines extremen Ballbesitzspiels bekannt - dem es aber teilweise an der offensiven Durchschlagskraft fehlt. In der französischen Ligue befindet sich PSG durchschnittlich jeweils 15 Sekunden im Ballbesitz. Auf dem Weg zum Tor hat man aber selten große Eile. Eine Schlüsselrolle kommt natürlich Kylian Mbappe zu. Der 25-jährige Stürmerstar erzielte in der laufenden Saison in 28 Pflichtspielen bereits 29 Treffer.
Real Sociedad
FORM: Die Mannschaft von Imanol Alguacil hat schon bessere Zeiten erlebt. Den letzten Sieg in LaLiga feierte man am 20. Januar gegen Celta Vigo. In den vergangenen vier Pflichtspielen blieb man jeweils ohne eigenen Treffer - kassierte aber auch nur ein Gegentor. Eine erneute Qualifikation für die Champions League wirkt unrealistisch, auf Rang vier hat man bereits elf Punkte Rückstand.
ERFAHRUNG: Für die Basken ist der Einzug ins Achtelfinale der UEFA Champions League ein riesiger Erfolg. Zuletzt gelang Real Sociedad dies in der Saison 2003/04. Die meiste CL-Erfahrung im Kader hat Stürmer Andre Silva mit gerade einmal 22 Einsätzen.
TAKTIK: Nach dem Karriereende von David Silva im vergangenen Sommer sah sich Trainer Alguacil zu einem Umdenken gezwungen. Ohne den legendären Spielmacher legen die Basken wieder mehr Fokus auf Angriffe über die Außenbahnen. Das kommt dem Japaner Takefusa Kubo sehr entgegen. Immer wieder sucht der dribbelstarke 22-Jährige das Eins-gegen-Eins und erzeugt dadurch Räume für seine Mitspieler.
Die zentralen Mittelfeldspieler Mikel Merino und Brais Mendez starten oft gefährliche Läufe in den gegnerischen Strafraum. Auch die von Robin Le Normand organisierte Abwehrreihe hat ihre Stärken. Mit nur 22 Gegentoren stellt Real Sociedad zurzeit die viertbeste Defensive Spaniens.
Zum Match-Center: PSG vs. Real Sociedad (Mittwoch, 21 Uhr)